Der Adapa Mythos
Diese Übersetzung kombiniert die Texte unterschiedlicher Tontafeln um eine möglichst vollständige Version zu erhalten.
Siehe auch
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- Interpretation
- Datierung
Beteiligte
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- An
- Enki
Der Adapa Mythos
Prolog
Enki gewährte Adapa Einsicht in seine Pläne, auf dass er die Geschicke des Landes offenbaren könne. Er gab ihm Weisheit, aber nicht das ewige Leben. In jenen Tagen, in jenen Jahren war er der weise Mann von Eridu. Enki hatte ihn als Wegweiser der Menschheit geschaffen. Er war ein Weiser. Niemand wies sein Wort zurück. Er war Beauftragter der Anunnaki, heilig, rein von Händen, der Pashishu-Priester, der Eingeweihte in die göttliche Ordnung.
In seinem Beisein machten die Bäcker von Eridu Brot. Jeden Tag sorgt er mit ihnen für das Essen und das Wasser von Eridu. Mit seinen reinen Händen bereitete er den Tisch, denn ohne ihn war der Tisch nicht gedeckt.
Er lenkte das Schiff, fischte und jagte für Eridu. Zu jener Zeit pflegte Adapa, der Sohn von Eridu, nachdem er den Anführer Enki aus dem Bett geholt hatte, den ‚Bolzen‘ von Eridu jeden Tag zu ‚füttern‘.
Adapas Vergehen
Der Wind wehte, doch sein Boot fuhr ab. Mit dem Ruder lenkte er sein Schiff auf das weite Meer. Doch der Südwind machte ihm einen Strich durch die Rechnung: Er ließ ihn kentern und brachte ihn zurück zum Haus seines Herrn. Adapa sagte zum Südwind:
„O Südwind, auf dem Weg zu dir stellst du dich mir in den Weg? Ich werde deinen Flügel brechen!“
Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, brach der Flügel des Südwinds. Sieben Tage lang wehte Südwind nicht zum Land.
An ruft Adapa zu sich
An rief zu seinem Wesir Ilabrat:
„Warum weht der Südwind seit sieben Tagen nicht zum Land?“
Sein Wesir Ilabrat antwortete ihm:
„Mein Herr, Adapa, der Weise des Enki, hat dem Südwind den Flügel gebrochen.“
Als An diese Worte hörte, bestieg er seinen Thron und rief:
„Der Himmel helfe ihm! Lasst ihn hierherbringen!“
Enki berät Adapa
Enki, der An gut kannte, wandte sich an Adapa. Er ließ ihn sein Haar ungekämmt tragen, kleidete ihn in ein Trauergewand und gab ihm Anweisungen:
„Adapa, du sollst vor König An gehen. Du wirst in den Himmel hinaufsteigen. Wenn du in den Himmel hinaufgestiegen bist, wenn du dich dem Tor von An näherst, werden Dumuzi und Gizzida im Tor von An stehen, dich sehen und dir Fragen stellen: ‚Junger Mann, in wessen Auftrag trägst du das Trauergewand?‘ Du musst antworten: ‚Zwei Götter sind aus unserem Land verschwunden, und deshalb verhalte ich mich so.‘ Sie werden fragen: ‚Wer sind die beiden Götter, die aus dem Land verschwunden sind?‘ Du wirst antworten: ‚Es sind Dumuzi und Gizzida.‘ Sie werden sich anschauen und viel lachen, werden ein Wort zu deinen Gunsten zu An sprechen, werden dich An gut gelaunt präsentieren. Wenn du vor Anu stehst werden sie dir die Nahrung des Todes vorsetzen, iss nicht. Das Wasser des Todes werden sie dir hinhalten. Trinke nicht. Sie werden dir ein Gewand vorhalten. Zieh es an. Sie werden dir Öl vorhalten. Salbe dich. Du darfst die Anweisungen, die ich dir gegeben habe, nicht vernachlässigen; halte dich an die Worte, die ich dir gesagt habe.“
Adapa muss Rechenschaft ablegen
Der Abgesandte von An kam an.
„Schickt mir Adapa, der den Flügel des Südwindes gebrochen hat.“
Er ließ ihn den Weg zu An nehmen. Als er zu An hinaufkam und sich dem Tor von An näherte, standen Dumuzi und Gizzida im Tor von An. Sie sahen Adapa und riefen:
„An helfe ihm! Junger Mann, du siehst so aus wie dieser Adapa. In wessen Auftrag trägst du Trauerkleidung?“
Adapa antwortete:
„Zwei Götter sind aus dem Lande verschwunden, und deshalb trage ich Trauerkleidung.“
Sie fragten weiter:
„Wer sind die beiden Götter, die aus dem Land verschwunden sind?“
Adapa antwortete:
„Dumuzi und Gizzida.“
Sie sahen sich an und lachten viel. Als Adapa in die Nähe von König An kam, sah dieser ihn und rief,
„Komm her, Adapa! Warum hast du den Flügel des Südwinds gebrochen?“
Adapa antwortete An:
„Mein Herr, ich habe in der Mitte des Meeres Fische gefangen, für das Haus meines Herrn Enki. Aber er blähte das Meer zu einem Sturm auf, und der Südwind blies und versenkte mich! Ich war gezwungen, mich im Haus der Fische niederzulassen. In meinem Zorn verfluchte ich den Südwind.“
Das Urteil wird gefällt
Dumuzi und Gizzida antworteten ihm von der Seite und sprachen ein Wort zu seinen Gunsten zu An. Sein Herz war besänftigt und er wurde still.
„Warum hat Enki den unreinen Menschen die Geheimnisse des Himmels und der Erde offenbart? Er war es, der ihnen ein schweres Schicksal gab! Was können wir für ihn tun?
An traf seine Entscheidung:
„Bringt ihm das Brot des ewigen Lebens und lasst ihn essen!“
Sie brachten ihm das Brot des ewigen Lebens, aber er wollte nicht essen. Sie brachten ihm das Wasser des ewigen Lebens, aber er wollte nicht trinken. Sie brachten ihm ein Gewand, und er zog es an. Sie brachten ihm Öl, und er salbte sich. An beobachtete ihn und fragte verwundert:
„Komm, Adapa, warum hast du nicht gegessen? Warum hast du nicht getrunken? Wolltest du nicht unsterblich sein? Wehe dem geknechteten Volk!“
Adapa antwortete ihm:
„Enki, mein Herr, sagte mir: ‚Du darfst nicht essen! Du darfst nicht trinken!‘“
Da sagte An:
„Nehmt ihn und schickt ihn zurück auf seine Erde.“
